Die Kanalisation der Stadt Herne

Das Herner Kanalnetz


Kanalnetzdaten

Seit dem Jahre 1895 sind Aufzeichnungen vom Aufbau eines systematischen Kanalnetzes vorhanden. Circa 400 Kilometer öffentlicher Kanal liegen unter den Straßen von Herne. Das Herner Entwässerungsnetz ist aufgeteilt in 28 Einzugsgebiete.

Durch ein weitverzweigtes Kanalnetz wird heute das Abwasser der Stadt Herne gesammelt und in die Emscher beziehungsweise nach Bochum zur Kläranlage geleitet. Die Kanalrohre haben einen Durchmesser von ca. 250 bis 3000 Millimeter. Das Kanalkataster wird von der Stadtentwässerung Herne verwaltet. Dort erhalten Sie technische Informationen über Anschlussmöglichkeiten an das Kanalnetz.

Angeschlossene Einwohner

161.012
(Stand: Dezember 2019)

Anschlussgrad größer

99,9 %

Kanalnetzlänge

ca. 419 Kilometer

Begehbar (DN >= 1.000 Millimeter)

ca. 32,3 Kilometer

Nicht begehbar

ca. 371,6 Kilometer

Offene Vorfluter

ca. 10,3 Kilometer

Einzugsgebiete

Emscher / Ruhr

Entwässerungsverfahren Mischsystem

ca. 97 %

Trennsystem

ca. 3 %

Anzahl der Kanalschächte

ca. 11.000

Anzahl Pumpwerke

11

Anzahl Düker

3

Die Generalentwässerungsplanung (GEP)

Das Stadtgebiet Herne lässt sich in 28 Teileinzugsgebiete einteilen. Für die einzelnen Teilgebiete werden Generalentwässerungsplanungen (GEP) aufgestellt, um Schwachstellen, wie z.B. hydraulische Überlastungen, festzustellen. Die GEP stellt somit mit gleichzeitiger kontinuierlicher TV-Inspektion ein wichtiges Hilfsmittel dar um vorausschauend zu planen und Handlungsbedarf zu erkennen. Ziel der GEP ist es neben der Erfassung des jetzigen Zustands einen Ausblick bzw. eine Prognose zu erarbeiten wie sich das betrachtete Gebiet in 10 bis 20 Jahren entwässerungstechnisch verändert.

Zielsetzung = Sicherstellung der wirtschaftlichen Abwasserentsorgung

Für sämtliche Teileinzugsgebiete in Herne wurden durch externe Ingenieurbüros GEPs erstellt. Die Ergebnisse und Empfehlungen werden bei der integralen Entwässerungsplanung berücksichtigt.

Das Abwasserbeseitigungskonzept (ABK)

1. Allgemeines und Rechtsgrundlage

Gemäß § 53.1 des Landeswassergesetzes (LWG) (1) haben die Gemeinden in NRW der Oberen Wasserbehörde (OWB) als zuständige Genehmigungsbehörde eine Übersicht über den gegenwärtigen Stand der öffentlichen Abwasserbeseitigung im Gemeindegebiet in Form eines Abwasserbeseitigungskonzeptes (ABK) darzulegen. Die zeitliche Abfolge der zur Erfüllung der Abwasserbeseitigungspflicht notwendigen Bau- und Sanierungsmaßnahmen und die Aufstellung der hierfür zu erwartenden Kosten sind hierbei darzustellen. Als zuständige Instanz für das vorliegende Konzept ist die OWB der Bezirksregierung in Arnsberg zu nennen. Weitere hieran zu beteiligende Aufsichtsbehörden sind die Untere Wasserbehörde (UWB) und die Untere Landschaftsbehörde (ULB) der Stadt Herne.

Die Aufgabe der Erstellung des ABK wurde von der Stadt Herne auf die Stadtentwässerung AöR übertragen.

2. Inhalte

Das ABK wird jeweils für einen 6-Jahres-Zeitraum erstellt, und umfasst neben der Auflistung und zeitlichen Zuordnung der einzelnen Maßnahmen die Angabe von geschätzten Baukosten. Aufgelistet werden dort alle Baumaßnahmen im Herner Stadtgebiet, unabhängig, ob es sich um Erneuerungen in offener Bauweise oder Sanierungen handelt. Neben der Listendarstellung sind die geplanten Baumaßnahmen in einem Übersichtsplan dargestellt. Durch die Abarbeitung der einzelnen Baumaßnahmen kann die SEH das Kanalnetz nach den anerkannten Regeln der Technik betreiben und unterhalten. Je nach baulichen oder hydraulischen Zustand werden die einzelnen Maßnahmen klassifiziert.

Das jetzige ABK umfasst den Zeitraum von 2021 bis 2026. Im Anschluss wird in Absprache mit den zuständigen Behörden der nächste 6-Jahres-Plan besprochen und abgestimmt.

Abwasserkanäle und Leitungen müssen funktionstüchtig und dicht sein. Diese Forderung führt dazu, dass die Kanalisation regelmäßig inspiziert werden muss. Mit Hilfe von zwei Kanalinspektionsfahrzeugen werden die ca. 419 Km Kanalnetz mit einer Videokamera untersucht. Hierbei werden mögliche Schäden im Kanalnetz festgestellt. Werden Kanalrohrschäden wie Risse, Scherbenbildung, Lageabweichung usw. festgestellt, erfolgt in festgelegten Zeiträumen eine Reparatur oder ein Neubau der betreffenden Kanalabschnitte.

Kanalinspektiontechnik der SEH

Beispiel einer TV-Inspektion der Stadtentwässerung Herne (SEH)

Welche Leistung erbringt die SEH für den Betrieb und die Unterhaltung der Abwasseranlagen?

Zur Vermeidung von Ablagerungen findet laufend eine planmäßige Reinigung der Kanäle mittels Hochdruckspülen statt. Zu diesem Zweck werden 3 Hochdruck Spül- und Saugfahrzeuge eingesetzt.

Innerhalb von 15 Jahren wird das gesamte Kanalnetz mit einer TV- Kamera untersucht, um Schäden zu erkennen.

Im Kanalnetz werden regelmäßig Kontrollen nach den Selbstüberwachungsvorschriften durchgeführt. In der SüwVO Abw NRW 2013 werden sämtliche Vorgaben für die Zustands- und Funktionsprüfung bei Abwasserleitungen geregelt.

Kanalspülwagen der SEH

Beispiel einer Kanalreinigung der Stadtentwässerung Herne (SEH)

Kanal- und Schachtsanierung als Alternative zur Erneuerung in offener Bauweise

Kanalreparatur:
Die Reparatur von örtlich begrenzten Schadstellen im Kanal durch

  • Robotertechnik
  • Innenmanschetten
  • Kurzliner
  • händisch im begehbaren Bereich
  • Spachteltechnik

Beispiel für eine Anschlusssanierung:
Bild 1: Kanalanschlussstutzen – Zustand vor der Sanierung.
Bild 2: Mit Epoxidharz verpresster Hausanschluss.

 

Kanalrenovierung:
Durch die Renovierung wird die aktuelle Funktionsfähigkeit von Abwasserkanälen verbessert, wobei das Altrohr technisch verändert wird, jedoch komplett oder teilweise erhalten bleibt. Hierbei wird der Abflussquerschnitt mehr oder weniger vermindert, was die hydraulische Leistungsfähigkeit beeinflusst. Man unterscheidet zwischen Relining- und Beschichtungsverfahren.

  • Langrohr über Baugruben
  • Kurzrohr über vorhandene Schächte
  • Rohrstrang über Einziehbaugruben
  • Noppenbahnrelining
  • Schlauchrelining
  • Wickelrohrverfahren
  • Verformungsverfahren
  • Reduktionsverfahren
  • Segmentbauweise (begehbarer Bereich)

Beispiel für eine Haltungssanierung:
Bild 3: Eiprofil 400/600 – Zustand vor der Sanierung
Bild 4: Zustand nach der Sanierung mit GFK Inliner ausgekleidet

Beispiel für eine Schachtsanierung:
Bild 5: Gemauerter Schacht: Zustand vor der Sanierung
Bild 6: Zustand nach der Sanierung: Beschichtung mit einem PCC Mörtel

 

Erneuerung in geschlossener Bauweise:

  • Microtunneling
  • Pipe-eating
  • Berstlining
  • Horizontalspülbohrverfahren

Die SEH unterhält im Stadtgebiet diverse Sonderbauwerke. Hierzu gehören unterirdische Rückhalteräume, Schmutz- und Regenwasserpumpwerke, Erdbecken, Druckrohrsysteme und Stauraumkanäle.